* 30. Juli 1934 in Bremen, †am 28. November 2016 in Bremen,
war ein norddeutscher freischaffender Zeichner und Maler.
er besuchte die Kunstschule Bremen von 1953 bis 1957
Dozenten:
Prof. Weinert, Prof. Heckrodt,
Dekorative Malerei August Welp
1957/58 Hochschule für bildende Künste, Berlin
Prof. Böhm, Prof. Mertin
Ausstellungen:
Graphisches Kabinett der Kunsthalle Bremen, 1962/63
Griffelkunst Hamburg, 1963/64
Gut Sandbeck, Kunstverein Osterholz, 1997
Oberlandesgericht Oldenburg und die AG Kunst der Oldenburgischen Landschaft, Oldenburg, März/Mai 2015
Die Einleitung zur letztgenannten Ausstellung seinerzeit in Oldenburg:
"Mit den Bildern von Horst Link aus Bremen zeigen das Oberlandesgericht und die AG Kunst der Oldenburgischen Landschaft ein nahezu unbekanntes Oeuvre außerordentlicher Qualität. Horst Link hat seit den 50er Jahren auf Reisen nach Spanien und Portugal Landschaft und Licht aufgenommen und in Malerei und Zeichnungen voller Rhythmik und farblichem Wohlklang verwandelt."
Meine ersten großen Vorbilder waren Kokoschka, Corinth,
Deutscher Expressionismus, Picasso, Braque, Macke und Kubin.
Zu Kubin empfinde ich die größte zeichnerische Nähe.
Meine Ölarbeiten kommen oftmals dem Kubismus schon
ein Stück nah, die Pastelle sind farbig feine Gebilde, leise Dinge.
Selbst meine kompaktesten Arbeiten entstehen direkt vor
der Wirklichkeit, zum Beispiel eine südliche Straße, ich erarbeite
die linke und rechte Straßenseite, zum Schluss scheint es fast ein
abstraktes Gebilde zu sein.
Mit einigen für mich letztlich günstigen Ausbildungen wurde
Ich über die Jahre hin finanziell ausreichend gesichert, und es
fand sich regelmäßig die Zeit, meine Malreisen in den Süden zu
unternehmen.
Hier in Bremen bin ich noch nach Jahrzehnten nicht müde,
alle Arbeiten zu vertiefen und zu verinnerlichen.
Horst Link
Eine Beschreibung zu Werk und Leben
Seine Arbeiten seine Schaffenszeit von 1953 – 2015, umfassen Holzschnitte, Ölgemälde, Aquarelle, Grafiken, und viele Zeichnungen.
Über die Jahre entstanden viele verschiedene Maltechniken, die der Maler Horst Link auf seinen Reisen nach Ibiza, Spanien, Portugal, Griechenland, Türkei, Italien, Cuba und Nord-Afrika unternahm. Er liebte das Licht des Südens, und durch die verschiedenen Kulturen wurde er immer wieder neu inspiriert für seine Bilder und Zeichnungen.
In den letzten 15 Jahren schrieb er kleine Texte und Gedichte über das Leben, die veröffentlicht wurden. In den Jahren 2013/2014 entstand ein kleiner Ausschnitt seiner Bilder in einem Band: Malerei, Zeichnungen, Grafiken 1953 – 2013; Herausgegeben von Barbara Asbeck, 2014.
Der Nachlass, von dem Maler Horst Link, wird von seinem Sohn Sebastian Frederic Link als Erbe verwaltet.
Herr Jürgen Weichhardt, Kunstkritiker und Sammler begleitete den Künstler Horst Link durch mehrere Zusammentreffen. So, hatte der Kritiker Jürgen Weichhardt das Leben des Malers aus seinen innersten Ansichten kennen gelernt.
Horst Link gehört zu den sympathischen „Stillen im Lande“: Wer in den letzten Jahren in Zeitschriften und Katalogen der gegenwärtigen Kunst selbst in der Stadt Bremen nach dem Namen Horst Link geforscht hätte, wäre nicht darauf gestoßen. Die letzte ganz wichtige Eintragung in den bremischen Analen war 1963 erfolgt, als Horst Link im Graphischen Kabinett der Kunsthalle Bremen eine Einzelausstellung hatte. Im selben Jahr beteiligte er sich auch an einer Griffelkunst-Edition. Obwohl der Künstler intensiv gearbeitet hatte und der eine oder andere Freund von der mehr oder weniger verborgenen Leidenschaft Horst Links, zu zeichnen und zu malen, gewusst haben mochte, – diese Zurückhaltung beruhte auf eigener Entscheidung. Tatsächlich ist während der Abstinenz von öffentlicher Ausstellungstätigkeit ein erstaunliches und weitgehend selbständiges Oeuvre entstanden.
Horst Link hat Malerei und Zeichnung stets auf seinen Reisen nach Spanien, Portugal, nach Griechenland und in die Türkei betrieben. In der modernen Zeit ist die Zahl der Künstler groß, die sich mit den malerischen Ansichten mediterraner Dörfer und Landschaften auseinander gesetzt haben, ganz gewiss gehört Horst Link dazu, und seine Werke sind innerhalb dieses Kreises dennoch etwas Besonderes. Seine Motive und Themen sind mit denen anderer Künstler nicht austauschbar.
Für mich war erstaunlich, wie exakt Horst Link Einzelheiten in seinen zwanzig und mehr Jahre alten Bildern benennen konnte, zuweilen meines Erachtens entgegen der visuellen Erscheinung, doch die Zweifel wurden durch eine präzise Beschreibung mit den Worten des Autors beseitigt.
Ich erzähle von diesen Eindrücken, weil ich dieses Erinnerungsvermögen gegenüber nahezu abstrakten, fast ungegenständlichen Bildern für ein Charakteristikum halte, das den Menschen Horst Link auszeichnet und das seine Bilder und Zeichnungen um vieles leichter verständlich macht, als wenn sie ohne Sehhilfen nur im Raum hingen.
Aber immer müsste das Werk selbst dem geübten und auch dem ungeübten, aber aufmerksamen Betrachter ins Auge fallen, denn Horst Link hat in beiden Disziplinen, Malerei und Zeichnung, sorgsame Arbeit entfaltet, die das scheinbare Gelegenheitsbild zum Kunstwerk macht.
Horst Link gehört zu den wenigen guten Künstlern, die vor der Natur, vor dem Sujet, vor dem Modell ihre Arbeit beginnen und weitgehend vorantreiben. Im Atelier bleibt dann immer noch vieles zu tun: das Verdichten, das Akzentuieren, das Überprüfen des gemalten oder gezeichneten Ergebnisses, vor allem die Ziselierung der Strukturen, die in der folgenden Behandlung immer stärker in den Vordergrund treten.
Gewiss hat es in der künstlerischen Entwicklung Horst Links einige Stil spezifische Stationen gegeben: sie sind zwar auffallend, aber insgesamt doch weniger wichtig und auch vom Autor als weniger wichtig angesehen als der im einzelnen Bild stattfindende Beziehungsprozeß zwischen Realität der Außenwelt und Kreativität des Individuums.
Den jungen Künstler haben die Expressionisten des Blauen Reiters, insbesondere August Macke und die Bilder Paul Klees von der Tunisreise fasziniert. Unzweifelhaft haben manche Bilder von Horst Link eine Nähe zur eigenartigen Farbigkeit der Macke-Bilder, erleichtert vielleicht durch das Vorbild, mit Sicherheit aber abgeleitet von der Anschauung der gemalten tunesischen Lokalität. Mitte der sechziger Jahre gab es auch eine Phase, in der Zeichnung mit festen Flächen und fragilen Verbindungen ganz stark abstrahierte Kompositionen aufzubauen, auch an dieser Methode, die uns von manchen Zeichnungen eines Horst Janssen bekannt ist, hat Horst Link genippt, aber er ist ihr nicht verfallen. Letztlich hat er für sich selbst ein ganz anderes Kompositionsprinzip erarbeitet, eine Methode, wie Welt erfahren werden kann, ohne dass die eigene Persönlichkeit sich in ihr verliert oder – positiv ausgedrückt – eine Methode, wie eine Persönlichkeit sich die Welt zurecht- und auslegen kann. Horst Link malt nicht ab, er kopiert nicht, solch eine banale Inbesitznahme der Realität will er nicht, auch wenn die Sujets seiner Bilder ganz konkrete Motive sind, manchmal sogar einmalige Anlässe, wenn in einem bestimmten Augenblick der Künstler wie ein Reporter auf ein Ereignis – etwa ein Fest der Fischer – trifft. Malen heißt für Horst Link Verwandeln. Verwandlung ist Art, sich zu eigen zu machen und zu interpretieren, was das Auge sieht, und das ist zumindest eine reizvolle, vielgestaltige Wirklichkeit, deren Reichtum nur Interpretation erlaubt. Im Prinzip gilt die Methode zu verwandeln bereits für die um 1960 entstandenen Arbeiten, auch wenn diese in ihrem Aufbau der Realität noch nahe stehen. Im Stile der Expressionisten werden hier die Formen der Landschaft in Farben aufgelöst, ohne die großen Einheiten des Landschaftsgefüges dabei zu untergraben. Im Gegenteil, breite farbige Konturen können die Formen wie Bäume und Berge, Dächer und Häuser kennzeichnen und gegenüber der Nachbarschaft abheben. Aber schon in dieser frühen Werkphase fällt auf, dass der Künstler die gebauten, von Menschen geformten städtischen Motive bevorzugt. Eine Neigung für gradlinige Striche und Formen ist offensichtlich. Die Farben dieser ersten Phase haben bereits ihren kräftigen Klang. Je nach Landschaft werden braune oder rote Töne bevorzugt, nur um 1969 treten auch größere Einheiten von weißen und dunklen Tönen in den Vordergrund. Nicht an der Farbwahl, die stets von der Landschaft abhängig bleibt – freilich immer aus der subjektiven Sicht des Künstlers –, wohl aber an der Auftragsweise der Farben ändert sich etwas: während sie in Bildern um 1960 in relativ festen Blöcken gemalt sind, gewinnt sie in späteren Werken eine ganz eigenartige Transparenz. Hier werden die blockhaften Farbsetzungen teilweise in sich wieder aufgelöst, indem sie nach Hell und Dunkel differenziert werden. Das Helle bewirkt ein leichtes Leuchten, das hinter der Farbschicht seine Quelle zu haben scheint. Unterstützt wird diese Tiefenwirkung durch die Konzentration von hellen, bis ans Weiß heranreichenden Tönen in der Bildmitte – sicherlich begründet durch die Sammlung von Licht in einem Straßenzug, hier aber auch wirksam als Andeutung einer Tiefe im Bildraum. Manchmal kann sogar ein Wortfetzen, ein Reklamerest ins Bild genommen wird, natürlich viel seltener als das Auge sie im realen Ausschnitt finden würde, aber dennoch als deutlicher Verweis auf Wirklichkeit. Bemerkenswert sind in der weiteren Entwicklung zwei Variationen dieses Prinzips: zum einen können die malerischen Elemente zu gegebenem Anlass wie in Landschaftsausschnitten fließende weiche Formen erhalten, zum anderen kann Horst Link die Farben stärker zusammenfassen, sich auf zwei Hauptfarben konzentrieren und diese nach hellen und dunklen Abstufungen differenzieren – wie im Bild „Kleine Stadt“, 1978, wie in anderen südspanischen Motiven, wo im übrigen das Weiß der Häuser dem Maler Anreiz genug war, sie in Farbformen umzusetzen. Der Methode, die Dinge in einer elementaren Farbkonstruktion zu zeigen, unterwirft Horst Link alle Themen, auch die Stillleben, auch die Motive mit Menschen im Bild. Sie werden nahezu vollständig integriert, allein an den sehgewohnten Rundungen von Kopf und Schultern, an den nicht in den geometrisierten Kanon eingepassten Linien von Armen und Beinen lassen sich menschliche Figuren aus der Fülle von Formen und Linien wieder definieren und gleichsam zusammensetzen.
Hier ist nun auch vom Unterschied zwischen den gezeichneten und den gemalten Werken zu sprechen, die nur scheinbar völlig selbstverständlich sind. Für Horst Link ist eine Zeichnung nicht weniger arbeitsintensiv und damit bedeutsam wie Malerei mit Pastell oder Öl oder Acryl.
Die Methode der Auflösung des gegebenen Wirklichkeits-Ausschnittes findet auch in den Zeichnungen nach 1973 Anwendung. Während Horst Link in den sechziger Jahren noch mit der extremen Differenz von Schwarz und Weiß und verschiedenen Zwischenstufen arbeitet, sie alle aber in relativ große Flächen bannt, aus denen nur wenige Linien filigran hervortreten und Verbindungen herstellen – das Architekturthema Glasfenster mit verschiedenen Nischen und anderen Binnenräumen, aber auch mit Durch- und Ausblicken, steht dahinter – hat der Künstler in der Folgezeit zu einem anderen zeichnerischen Stil gefunden: Nun wird der gesamte Bildausschnitt in Linien aufgelöst, so dass die Inhaltlichkeit fast ganz in dieser Schicht aus Linien verschwinden kann. Es gibt Zeichnungen, bei denen der Inhalt kaum mehr zu erraten ist.
Dann können, vielleicht entsprechend der wesentlichen Struktur der Motive, aus dem Lineament kleinere Formen herauskristallisiert werden, die mit einer autonomen, vom Motiv unabhängigen Strichstruktur aufgefüllt werden. So entstehen große Gruppen kleiner Formen und Differenzierungen in den Grauwerten, jedoch in einer sehr gemäßigten Weise, die ein völlig anderes Bild ergeben als die früheren mit Hell- und Dunkel-Kontrasten versehenen Zeichnungen.
Bleiben – keineswegs als mindergewichtige Gruppe – die Köpfe. Hier bewährt sich das Können eines Zeichners in besonderem Maße, auch wenn dieser gleichfalls nicht abzeichnen, sondern interpretieren will. Auch die Köpfe sind nach Modell gearbeitet, auch hier erinnert sich der Autor an die Personen. Der Künstler hat sich die Freiheit genommen, das individuelle Antlitz zu verwandeln: nicht wie Picasso, indem er im Zuge des Nachkubismus und eines bestimmten Ausdruckswertes Nasen, Augen und Ohren derangiert, sondern eher wie Dubuffet, dem Gesichtszüge manchmal ein freies Spiel der Linien waren. Horst Link arbeitet vergleichsweise frei, verdichtet dann aber das freie Lineament, lässt im Ansatz Nase, Augen und Mund bestehen, gewinnt durch die Konturierung des Kopfes einen individuellen Ausdruck der Person und verbindet solcherart seine Interpretation des Gemüts und der Stimmung oder gar des Seins der Person mit der eigenen Zeichnungskunst.. Das Ergebnis der gesamten Arbeit von Horst Link ist überzeugend, weil jedes Bild und jede Zeichnung von Idee und Durcharbeitung her abgerundet erscheint, um nicht von vollendet zu sprechen. Es sind Arbeiten, die das Leben des Künstlers akzentuieren, so dass zwischen Erleben und Verarbeitung des Erlebens eine nachvollziehbare Beziehung entstehen konnte. Und das macht das Besondere der Arbeiten von Horst Link aus – sie haben eine überprüfbare Qualität bis ins letzte Detail.